TO FALL TO PIE¬ģCES

Datum 15.09.2008 00:10:00 | Thema: Artikel

Narben der Seele

Von Reptomaniac

Die Geschichte der Religionen ist eine Geschichte der blutigen Opfer f√ľr die G√∂tter..
Körperqual = Seelenheil?

Wieviele Tiere wurden zu Ehren jener "h√∂heren Wesen" auf den Alt√§ren hingeschlachtet, wieviele Menschen wurden zum Wohlgefallen der G√∂tter lebendig verbrannt, erschlagen, in St√ľcke geschnitten, erh√§ngt oder auf andere Art und Weise gemordet!

Ein weiteres d√ľsterer Aspekt dieser Unkultur sind Selbstverst√ľmmelungen, Kastrationen, Kasteiungen und andere Maltr√§tierungen des eigenen K√∂rpers aus religi√∂sen Gr√ľnden. Vorsorglich m√∂chte ich darauf hinweisen, dass einige Schilderungen m√∂glicherweise f√ľr Leser mit schw√§cheren Nerven nicht ganz geeignet sind.


Im 13. und 14. Jahrhundert zogen seltsame Prozessionen durch die mittelalterlichen Ortschaften, Menschen mit Peitschen bewaffnet, gei√üelten sich selbst in aller √Ėffentlichkeit. Begonnen hatte der eigenartige Spuk im Jahr 1260 im italienischen Perugia. Raniero Fasani, Mitglied einer Bu√übr√ľderschaft, behauptete, eine Engelserscheinung gehabt zu haben, bei der ihm die Vernichtung der Stadt angedroht wurde, falls die Einwohner nicht Bu√üe t√§ten.

Im Herbst des gleichen Jahres fand dann eine √∂ffentliche Selbstgei√üelung statt. Die Flagellantenbewegung (vom lateinischen Wort flagellum f√ľr Gei√üel, Peitsche) begann sich dann in ganz Italien auszubreiten. M√∂nche und Bisch√∂fe f√ľhrten die Prozessionen der Gei√üelbr√ľder an. Bald schwappte der seltsame Ritus auch auf andere L√§nder √ľber, nach √Ėsterreich, Polen, Ungarn, Deutschland.

Doch schon im n√§chsten Jahr gingen die Umz√ľge n√∂rdlich der Alpen wieder erheblich zur√ľck. Erst in den Jahren 1348 und 1349 flackerte die Gei√ülerbewegung wieder kurz auf. Diesmal marschierten auch eigene Frauenprozessionen durch die Lande. Ab Herbst 1349 nahm die √∂ffentliche Gei√üelung schlie√ülich wieder ab. Das Motiv bei diesen Prozessionen, bei denen sich die Teilnehmer die entbl√∂√üten R√ľcken unter Bu√üges√§ngen mit Gei√üeln, an denen oft Dornen oder kleine Steinchen befestigt waren, blutig - und die Haut in Fetzen schlugen, war eindeutig pure Angst...

Angst vor dem drohenden Weltuntergang, Angst vor der Pest und vor allem Angst vor dem Zorn Gottes. Man suchte die Gottheit durch die blutige Selbstkasteiung und indem man sich in den Staub der Stra√üen warf, zu bes√§nftigen. Furcht und Schrecken sind n√§mlich der Grund f√ľr den Glauben, die Wurzel der Religion; nicht die Liebe zu ihrer Gottheit treibt die Gl√§ubigen an, sondern einzig und allein die nackte Angst vor der √úbermacht des h√∂heren Wesens und vor seinem Zorn.

Und es kommt letzten Endes auch nicht mehr darauf an, ob diese Wesen unabh√§ngig von uns existieren und den Menschen geschaffen haben oder ob sie unser geistiges Produkt sind und unsere Sch√∂pfungen uns √ľber den Kopf gewachsen und nun unsere Herren sind.
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Schon dreihundert Jahre fr√ľher um die Jahrtausendwende, als die Furcht vor der bevorstehenden Apokalypse die Menschen in ihrem Bann hielt, war die Selbstgei√üelung - allerdings im privaten Rahmen - im Gebrauch. Man peitschte und lie√ü sich peitschen. F√ľr ein Bu√üjahr brauchte man 3000 Schl√§ge, also folgerte der Kirchenlehrer Damiani, dass je mehr Gei√üelungen man √ľber sich ergehen l√§sst, desto besser es sei f√ľr das Seelenheil.

Ein M√∂nch namens Dominikus aus dem Kloster Fontanella schaffte es in einigen Wochen sich hunderte von Bu√üjahren abzupeitschen. Daneben steckte er noch 15 Jahre in einer eisernen R√ľstung, was ihm den Ehrennamen Loricatus ("der Gepamzerte") einbrachte. Der oben erw√§hnte Damiani erz√§hlte auch gern die Geschichte eines M√∂nches, der sein ungeb√§rdiges Glied mittels eines gl√ľhenden Eisens zur R√§son brachte.

Man gei√üelte sich nicht nur ausgiebig in jenen Tagen (wobei man sich allerdings auch fragen kann, ob da immer nur die Angst vor dem H√∂llenfeuer dahintersteckte und nicht auch ganz weltliche sexuelle Vorlieben, - schlie√ülich lie√üen sich Frauen gern von Priestern auspeitschen und M√§nner von Nonnen), sondern zw√§ngte seinen K√∂rper in enge Panzer, beh√§ngte sich mit schweren Ketten, trug auf der nackten Haut sogenannte Bu√üg√ľrtel mit eingearbeiteten Bleikugeln und Strafstrumpfb√§nder mit eisernen Zacken, die die Beine zerfleischten.

Und wenn das alles immer noch nicht half, dann konnte man seinen Penis so fest einschn√ľren, dass die Blutzufuhr unterbrochen wurde, bis er abstarb, bald darauf verfaulte und vom K√∂rper abfiel. Und mitunter kam es auch vor, dass der B√ľ√üer sich die s√ľndige Hand, mit der er seine Wollust an sich selbst befriedigte, mit dem Beil amputierte. (Nebenbei bemerkt, es gibt auch solche eigenartigen Zeitgenossen, die sich am Anblick von Menschen mit amputierten Gliedma√üen aufgeilen und ihrer seltsamen Lust auf sogenannten Amputee-Seiten nachgehen.)

Kastrationen florierten sogar wieder in der Neuzeit im √∂stlichen Christentum, wenn auch nur bei der russischen Sekte der Skopzen (Verschnittene), die aus den Flagellanten hervorging. Ihre Mitglieder lehnten Staat und Kirche als antichristliches Reich ab und bezeichneten Priester und Bisch√∂fe als Diener Satans. Sie erkannten zwar Jesus an, betrachteten ihn aber nur als den Vorl√§ufer eines zweiten Sohnes Gottes, des Gr√ľnders ihrer Vereinigung. Dieser Kondratij Seliwanow, ein Bauer, der im Jahr 1832 starb, √ľberzeugte seine Anh√§nger, dass man das Himmelreich nur durch den Tod des Phallus erlangen k√∂nne und das die eigentliche Erbs√ľnde der Geschlechktsakt sei.

Nat√ľrlich hat sich dieser fromme Mann auch gleich selbst der "Feuertaufe" unterzogen und seinen Penis durch gl√ľhendes Eisen ausgemerzt, wie dann Tausende nach ihm. Es gab zwei Weihegrade, beim niederen wurde nur der Hodensack entfernt, beim Erzengelrang auch der Phallus. Meist wurde das von "Operateuren"durchgef√ľhrt, die mit einfachstem Besteck ihre Kunst praktizierten, aber manchmal legte der Gl√§ubige selbst mit einem Beil Hand an sich und stillte dann das Blut mit gl√ľhendem Eisen.

Bei Frauen bestanden die Weihegrade im Abschneiden oder Verbrennen der Brustwarzen im niederen Rang und durch das Abschneiden der Br√ľste im h√∂heren, au√üerdem wurden manchmal die Klitoris und die kleinen Schamlippen entfernt.

Um ihre Anh√§ngerschar zu vermehren, lie√üen sich die Skopzen gew√∂hnlich erst dann entmannen, wenn sie Nachwuchs gezeugt hatten. Gew√∂hnlich handelte es sich um reiche Kaufleute, Geldwechsler und Juweliere, die ihr Verm√∂gen dazu einsetzten, neue Anh√§nger und Kinder zu kaufen. Verr√§ter und Abtr√ľnnige wurden gnadenlos verfolgt; Neugierige, die den Versammlungen beiwohnten, wurden an ein Kreuz gebunden und gewaltsam verschnitten.

Und es gab auch Kinderopfer: Eine Skopzia spielte die heilige Jungfrau, ihr Kind galt als der Sohn Gottes und musste demzufolge den Märtyrertod sterben. Acht Tage nach der Geburt wurde das Herz des Kindes durchstoßen, das Blut wurde als Kommunion getrunken, der Körper getrocknet und das Fleisch anschließend in Brötchen verbacken, welche die Gläubigen dann verzehrten - ganz im Sinne des lieben Jesus, der seine Anhänger dazu aufforderte, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken, um der ewigen Seligkeit teilhaftig zu werden.
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√úberhaupt waren gegenseitige Gei√üelungen, Verst√ľmmelungen und andere Folterungen des eigenen K√∂rpers in den Kl√∂stern bis in die j√ľngere Zeit gang und g√§be. Die heilige Karmeliterin Maria Magdalena dei Pazzi (2. April 1566 bis 25. Mai 1607) pflegte sich in Dornen zu w√§lzen, sich ins Gesicht treten zu lassen und sich im Beisein der anderen Nonnen von der Oberin auspeitschen zu lassen, was ihr anscheinend ziemliches (unchristliches) Vergn√ľgen bereitete.

Marguerite Marie Alacoque (22. Juli 1647 bis 16. Oktober 1690) schnitt sich in ihre Brust ein Christusmonogramm und brannte es, nachdem es zu schnell heilte, mit einer Kerze wieder aus. Als Nahrung nahm diese "vorbildliche" Heilige verschimmeltes Brot und faules Obst zu sich, trank zeitweise nur Waschwasser und frönte dem Kotfetischmus:

In ihrer Selbstbiographie beschrieb sie das Gl√ľcksgef√ľhl, das sie durchstr√∂mte, als sie ihren Mund mit den F√§kalien eines an Durchfall erkrankten Mannes gef√ľllt hatte. Auf die "Offenbarungen" jener seltsamen, heiligen Frau gehen √ľbrigens der Herz-Jesu-Orden, das Herz-Jesu-Fest und die Herz-Jesu-Andacht zur√ľck.

Eine gewisse Katharina von Cardona lebte acht Jahre lang in einer Höhle, schlief selbst im Winter auf dem nackten Boden, trug ständig ein peinigendes Bußgewand, das sie noch zusätzlich mit schweren Ketten behängte und malträtierte sich stundenlang mit diversen Folterwerkzeugen. Zum Schluss ernährte sie sich wie ein Tier von Gras.

Aber wie schon Thomas von Aquin bemerkte, wartet auf die Asketen, vor allem wenn sie sich sexuell kasteien, als Lohn die himmlische Seligkeit und dann d√ľrfen sie, wie der "gr√∂√üte Theologe" ausf√ľhrlich schildert, von oben herab sich am Leid der in der H√∂lle im Auftrag des "lieben Gottes" von Teufeln auf ewig gequ√§lten ungl√ľcklichen S√ľnder erfreuen.

Wenn der irdische Leib und seine Bed√ľrfnisse nur ein minderwertiges √úbel f√ľr den Gl√§ubigen auf seinem Weg zu ewigen Heil sind, dann ist es aus theologischer Sicht folgerichtig, das Fleisch zu verdammen und es "abzut√∂ten"..m√∂glichst keine Freude, geschweige den Sinnesfreude mehr genie√üen, stattdessen Askese und Qualen. Und je mehr man sich kasteit, desto gr√∂√üer die Chance, der ewigen Verdammnis zu entgehen.

Der im Jahr 1925 zum Kichenlehrer erhobene Johannes von Avila lehrte: "Verachte den Leib. Betrachte ihn als einen schneebedeckten Misthaufen, als etwas, das dir Ekel bereitet, wenn du nur daran denkst." Und in den Regeln der Franziskaner hei√üt es: "Der Geist des Herrn jedoch will, dass das Fleisch abget√∂tet und verachtet, geringgesch√§tzt, zur√ľckgesetzt und schimpflich behandelt werde."

Immer hat die Religion den Selbsthass gesch√ľrt, alles Nat√ľrliche verdammt, was ja auch nicht verwunderlich ist, denn die G√∂tter wollen keine sinnenfrohen Gesch√∂pfe, sondern m√∂glichst viel Not und Elend, Leid und Schmerz, um selbst ihre Gier danach zu befriedigen. "W√ľte gegen dich, damit Gott sich deiner annimmt und dich nicht verurteilt", meinte schon Augustinus.
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Um ihrer Gottheit n√§her zu kommen, verfallen die Gl√§ubigen auf die seltsamsten Ideen, sogar darauf, das Leiden Christ m√∂glichst realit√§tsgetreu am eigenen K√∂rper nachzuempfinden. Auf den Philippinen hat sich eine besonders blutige Sitte eingeb√ľrgert, ein Ritual, dass zwar von der Kirche (offiziell) nicht gern gesehen wird, gegen das aber nichts unternommen wird und das sich mittlerweile zu einem Touristenspektakel entwickelt hat:

An Karfreitag spielen etliche Gl√§ubige die Passion Jesu nach. Ganz in der Tradition der Gei√üelbr√ľder ziehen sie durch die Stadt und schlagen sich mit Peitschen, an denen Glasscherben befestigt sind, ihre entbl√∂√üten R√ľcken blutig. Andere schleppen auf ihrem R√ľcken ein schweres Holzkreuz, w√§hrend sie auf ihrem Weg ausgepeitscht werden.

Im Jahr 2000 lie√üen sich dann neun Gl√§ubige in der Stadt San Fernando in aller √Ėffentlichkeit an ein Kreuz schlagen: Eine Dornenkrone auf dem Haupt - bis das Blut √ľber die Stirn lief - wurden diese religi√∂sen Eiferer von Helfern mit Seilen an ein Kreuz gefesselt. Dann trieb man durch die Handfl√§chen sieben Zentimeter lange, in Alkohol getr√§nkte Stahln√§gel. Anschlie√üend wurden die Kreuze in der sengenden Sonne aufgerichtet und die Fanatiker hingen einige Zeit lang daran.

Sich vor den Augen vieler Zuschauer freiwillig foltern zu lassen, um seine S√ľnden abzub√ľ√üen oder seiner Gottheit zu gefallen, ist ja nicht nur Erscheinungsform eines extremen christlichen Fanatismus, auch in anderen Religionen gibt es heute noch derartige Praktiken:

Auf der thail√§ndischen Insel Phuket l√§uft jedes Jahr im achten Mondmonat des chinesischen Kalenders ein eigenartiges Schauspiel ab. Endlose Prozessionen von Gl√§ubigen ziehen vorbei, Menschen, die sich die Wangen mit Ketten, Eisenstangen und anderen Gegenst√§nden durchbohrt haben, schwere Glocken und Gewichte direkt an der Haut h√§ngen haben. Andere laufen √ľber gl√ľhende Kohlen oder besteigen Leitern, deren Sprossen aus Schwertern oder scharfen Messern bestehen.

Wieder andere lassen sich durch Stangen, die durch ihre Wange getrieben werden, mit anderen Teilnehmern verbinden und laufen dann gemeinsam als Einheit bei der Prozession zu einem der Tempel. Und weitere tragen Schreine und gro√üe Bilder ihrer Gottheiten an Stangen, die sie durch ihre K√∂rper getrieben haben, und an Seilen, deren Widerhaken am K√∂rper befestigt wurden. Durch das Gewicht der Schreine und den Zug der Seile bohren sich dann die Eisenstangen immer weiter in das Fleisch. Auch hier will der Gl√§ubige sich von seinen S√ľnden reinigen und seinen G√∂ttern n√§herkommen.
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Manchmal stecken hinter Maltr√§tierungen des eigenen K√∂rpers nicht nur religi√∂se Motive (auf den ersten Blick jedenfalls), oft sind es auch seelische St√∂rungen, wie z.B. beim Borderline-Syndrom, das Menschen dazu veranlasst, sich selbst zu verletzen, sich Schnitte an Armen und Beinen zuzuf√ľgen, sich die Haut zu verbrennen, K√∂rperteil zu quetschen oder sich Blut abzuzapfen. Oft stehen dahinter unbewusste Schuldgef√ľhle (womit wir uns wieder der Religion annh√§hern), Selbsthass, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor sich selber und andere St√∂rungen.

Durch die Selbstverletzungen versucht der Kranke, seine Schuldgef√ľhle zu kompensieren oder wieder einen Bezug zu seiner K√∂rperlichkeit wieder herzustellen, die ihm oft abhanden gekommen ist. Ein weiterer Grund ist, dass dabei ein euphorisierender Zustand auftritt, weil dabei Serotonin ausgesch√ľttet wird, an dem es den Betroffenen oft mangelt.

Nun ist die Unsitte, den eigenen K√∂rper zu foltern, wie so vieles andere auch, durchaus nichts Neues. Schon die alten indianischen V√∂lker Mittelamerikas vollzogen solche Praktiken. So pflegten sich die Mayas z.B. bei ihren rituellen Feiern die Zunge oder den Penis zu durchbohren. Und auch schon bei den alten √Ągyptern gab es T√§towierungen, Schmucknarben und Piercings.

Vielleicht sollten diejenigen, die der Auffassung sind, ihren K√∂rper unbedingt derart "versch√∂nern" zu m√ľssen, oder die Anh√§nger der Bodmod-Bewegung (von body modification), die sich in einschl√§gigen Studios von selbsternannten Folterknechten Narben mit gl√ľhenden Eisen auf den K√∂rper brennen oder sich die Zungen spalten lassen, oder sich durch die durchbohrten Schamlippen Ketten ziehen, an denen schwere Gewichte h√§ngen, √ľber die religi√∂sen, bzw. d√§monischen Hintergr√ľnde nachdenken - n√§mlich, dass sie einem uralten Brauch folgen, um die Gier der G√∂tter nach Schmerz und Leid zu befriedigen.

Nordamerikanische Indianer h√§ngten sich beim Sonnentanz, der "0-Kee-Pa-Zeremonie", an Fleischerhaken, die sie sich durch Haut und Muskeln der Brust trieben, auf. Und von den Germanen ist eine besonders grausige Art der Selbstverst√ľmmelung oder besser gesagt der Selbstaufopferung bekannt: Odin zu Ehren schlitzte sich der Gl√§ubige selber die Bauchdecke auf und zog sich die eigenen Ged√§rme aus dem K√∂rper. Noch lebend schlang er sie dann um einen Baumstamm und an diesen gefesselt, verreckte er dann (..man kann es wirklich nicht anders ausdr√ľcken).

Auch die weiter oben erw√§hnten Kastrationen waren schon seit der Antike bekannt. In OH, MARIA - TEIL 2 schrieb ich dar√ľber:


"Der Astarte-Kult war im ganzen orientalischen Raum verbreitet und fand auch Einzug in das römische Imperium. Die Göttin wurde hier u.a auch unter den Namen Kybele verehrt. Sie war die Herrin einer Schar dämonischer Begleiter, den sog. Korybanten. Am 24. März wurde das orgiastische Fest Sanguis (Blut) begangen. Der Name stammt von dem Opferblut der Tiere, das auf den Altären vergossen wurde.

Die Kybele-Priester f√ľgten sich mit Gei√üeln aus geflochtenen Peitschenschn√ľren, die mit spitzen Knochenst√ľckchen versetzt waren, Wunden zu, bis das Blut in Str√∂men flo√ü. Die anderen Teilnehmer brachten sich selbst Stich- und Schnittwunden bei, so war der st√§ndige Nachschub an Blut f√ľr die G√∂ttin gesichert.

Man drehte sich im Drogenrausch bei aufpeitschender Musik st√§ndig im Tanz, bis man von der G√∂ttin ergriffen wurde. Hier finden wir einige Ankl√§nge zum Voodoo, wo die Gl√§ubigen ebenfalls in der Ekstase von der Gottheit in Besitz genommen (geritten) werden. Jetzt, im Augenblick der h√∂chsten Ekstase, opferten einige der Kybele ihre M√§nnlichkeit und kastrierten sich selbst. Das wurde niemals mit einem Messer, sondern stets mit einem scharfkantigen Stein, z.B. aus Obsidian durchgef√ľhrt...Dann zogen sie als Eunuchen-Priester, Galloi genannt, in weiblicher Kleidung und mit Schmuck beh√§ngt durch die Lande, um den Kult weiter zu verbreiten.

Kybele war ein dämonisches Wesen, dass Besitz vom Geist der Menschen ergriff und sie ihn Raserei und Wahnsinn versetzte und ihn in ein fremdes Wesen verwandelte. Der römische Dichter Catull schildert in einem Gedicht, wie sich ein junger Mann in der Ekstase selbst kastriert und das nach seinem Erwachen aus dem Drogenrausch bitter bereut. Kybele lässt aber nicht zu, dass er ihrer Herrschaft entfliehen will..."


In Europa wurden noch bis ins zwanzigste Jahrhundert aus "k√ľnstlerischen Gr√ľnden" Knaben verschnitten und noch im Jahre 1920 sangen Kastraten in der sixtinischen Kapelle (die vor Papst Sixtus IV, der au√üerdem noch ein Bordell erbaute, errichtet wurde) zur Ehre Gottes. Fast w√§re auch der Komponist Joseph Haydn, wie man zu seiner Zeit besch√∂nigend sagte, "sopranisiert" worden. Zum Gl√ľck bewahrte ihn der energische Protest seines Vaters vor diesem Schicksal. Man mag es kaum glauben, aber es gibt tats√§chlich Eunuchen-Fetisch-Seiten, auf denen sich Extrem-Masochisten ihre Phantasien von ihrer Kastration in allen Details ausmalen.

Stammes- oder Schmucknarben und auch K√∂rperdeformierungen sind in vielen Kulturen ein Zeichen der Gemeinsamkeit, der Zusammengeh√∂rigkeit. Man schneidet sich Ornamente in die Haut, l√§sst sich mit gl√ľhendes Eisen Muster auf den K√∂rper brennen, Pfl√∂cke durch die Lippen treiben oder gleich ganze Teller einsetzen, oder man streckt den Hals, indem man ihn in zahlenm√§√üig anwachsende Ringe presst, bis man kaum noch von einer Giraffe zu unterscheiden ist.

Frauen h√§ngen Gewichte an ihre Br√ľste, um sie m√∂glichst weit nach unten zu ziehen, andere machen das Gleiche mit ihren Schamlippen. Im alten China zw√§ngten sich schon die kleinen M√§dchen in viel zu enge, winzige Schuhe, bis ihre F√ľsse v√∂llig verkr√ľppelt und deformiert waren, um dem damaligen Sch√∂nheitsideal zu entsprechen. Heutzutage hungern sich junge M√§dchen, einer h√∂chst fragw√ľrdigen Mode folgend, fast zu Tode, ganz die Nachfolgerinnen jener knochigen Hungerasketen vergangener Jahrhunderte, genauso ungl√ľcklich und griesgr√§mig. M√§nner ruinieren ihre Gesundheit durch die exzessive Einnahme von Anabolika und Dopingmitteln in Bodybuilder-Studios, um ihre K√∂rper zu formen, massiv Muskeln aufzubauen, merken aber nicht, dass sie sich damit oft nur verunstalten.
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Zu den eben erw√§hnten Stammesnarben geh√∂ren auch im weiteren Sinne solche Praktiken wie die Beschneidung. Auch hier soll durch das Entfernen der Vorhaut beim Knaben seine Zugeh√∂rigkeit zu der Glaubensgemeinschaft symbolisiert werden. Nun k√∂nnte man das noch durchaus hinnehmen, wobei man sich allerdings doch schon fragen kann, warum man ein Kind unbedingt - und wenn es sich nur um ein kleines St√ľckchen Haut handelt - verst√ľmmeln muss.

Richtig widerw√§rtig wird es aber, wenn es um die Beschneidung bei M√§dchen geht, die von keiner Religion gefordert wird, denn hier stecken nur die ausschlie√ülich extrem frauenfeindlichen Motive gehirnkranker Barbaren dahinter. Denn die M√§dchenbeschneidung ist etwas total anderes als die Beschneidung bei Knaben. Die Frau soll durch die Prozedur ihr Lustempfinden g√§nzlich verlieren, nur noch als ein Geb√§rmaschinen funktionieren und zu einem (treuen) Objekt der Begierde f√ľr ihren Herrn und Meister werden.

Es gibt mehrere Arten der M√§dchenbeschneidung. Bei der harmlostesten (wenn man das Wort √ľberhaupt daf√ľr benutzen sollte) wird "nur" die Klitoris entfernt. Bei anderen Stufen werden auch die kleinen Schamlippen abgeschnitten.

Die wohl barbarischste und ekelhafteste Art ist die sogenannte "Pharaonische Beschneidung", die vor allem bei den Somali, Dschibuti und Nubiern praktiziert wird. Dabei werden die Klitoris, die inneren und die √§u√üeren Schamlippen entfernt. Anschlie√üend werden beide Seiten der Vulva bis auf eine erbsengro√üe √Ėffnung, durch die dann sp√§ter der Urin, das Menstruationsblut und die Vaginalsekrete austreten k√∂nnen, zusammengen√§ht. Im Laufe der Zeit w√§chst dann die Haut zusammen, bis dann am Tage der Hochzeit der Ehemann, mit einem Messer bewaffnet, seine Braut wieder "√∂ffnet".

Es braucht nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie schmerzhaft das f√ľr die Frau ist und wie dem√ľtigend. W√§hrend der Zeit, in der sie zugen√§ht ist, leidet die Frau beim Urinieren oft an Schmerzen und es kann leicht zu Entz√ľndungen kommen. Durch diese extreme Form der Beschneidung verliert die Frau ihr Lustempfinden fast zur G√§nze und ist nicht mehr f√§hig, einen Orgasmus zu erleben. Dass die Beschenidungen zum Tode f√ľhern k√∂nnen, ist klar.

Wenn man sich dann auch noch vor Augen h√§lt, dass viele der M√§nner, die solche ekligen Praktiken bef√ľrworten, dann beim Geschlechtsakt noch besondere Freude daran haben, wenn die Frau m√∂glichst trocken ist (weil das angeblich den Genuss des Mannes steigert), was durch das Einf√ľhren bestimmter Kr√§uter in die Scheide oder durch Ausr√§uchern erreicht wird, kann man sich leicht vorstellen, wie unangehnem schmerzhaft es f√ľr die Frau ist, wenn sie von ihrem Gebieter penetriert wird. Oft muss bei einer Geburt noch ein weiterer Schnitt durchgef√ľhrt werden.

√úbrigens wird im Koran - an keiner Stelle - weder die Beschneidung von M√§dchen noch die von Knaben erw√§hnt. Es handelt sich hier also eindeutigen um Praktiken, die auf vorislamische Stammestraditionen zur√ľckgehen. V√∂llig unverst√§ndlich ist aber, warum M√ľtter ihre eigenen T√∂chter immer wieder dieser Qual unterziehen, einer Qual, unter der sie selber ihr ganzes Leben leiden. Warum in aller Welt bewahren sie ihre Kinder nicht vor dem gleichen Schicksal? Was veranlasst Menschen, ihre Lieben derartigen Qualen auszusetzen?
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Warum tun sich Menschen selbat all diese Grausamkeiten an? Warum verunstalten sie sich freiwillig, schneiden und verbrennen ihre Haut, deformieren ihre K√∂rper, hungern sich fast zu Tode, st√ľrzen sich in Dornen, zw√§ngen sich in Bu√ügew√§nder, gei√üeln und foltern sich selbst auf die unterschiedlichste Weise? Welcher Ungeist treibt diese Irregeleiteten an?

In den allermeisten F√§llen ist es immer wieder die Religion, jene geniale teuflische Erfindung, die aus Menschen Sklaven der D√§monen macht. Blut, Leid und Schmerz, das ist die Nahrung der G√∂tter, ihr Nektar und Ambrosia. Und je mehr die Menschen leiden, sich kasteien und qu√§len, umso h√∂her der Genu√ü f√ľr jene Wesen. Religion ist ein Kind der Angst, nicht ein Kind der Liebe. Es kann nicht oft genug wiederholt werden, die Furcht vor den G√∂ttern ist das ma√ügebende Motiv f√ľr den Glauben, die Angst seinen Herrschern zu mi√üfallen und ihren Zorn heraufzubeschw√∂ren. Und diese Urangst, und nur diese, ist es, die hinter all diesen Handlungen steckt.


Reptomaniac, 08.09.2008


UPDATE

Menschen kommen auf die seltsamsten Dinge, wenn es um ihren Glauben geht. Manche lassen sich - wie geschildert - ans Kreuz schlagen, andere kastrieren sich selber oder brennen sich Narben auf den K√∂rper, alles f√ľr den Herrn. Daneben gibt es aber auch Formen der Selbstkasteiung der freiwilligen Entbehrungen und Strapazen, die auf den ersten Blick nicht so spektakul√§r sind, aber der gleichen Geisteshaltung entspringen.

Jedes Jahr pilgern Millionen von Menschen der verschiedensten Religionen an Wallfahrtsorte in der ganzen Welt (so soll z.B. jeder gl√§ubige Muslim einmal in seinem Leben nach Mekka pilgern). Manche geben ihr letztes Hab und Gut hin, nur damit sie sich die Reisen leisten k√∂nnen. Andere marschieren wochenlang bei sengender Sonne durch unwirtliche Gegenden, schleppen sich krank und schwach an ihr Ziel, oder rutschen den ganzen Weg b√ľ√üend und Gebete murmelnd auf den blutend-wunden Knien. Einige werfen sich immer und immer wieder in den Staub.

Und immer wieder endet so eine Pilgerreise f√ľr manche Teilnehmer t√∂dlich. Auf v√∂llig √ľberf√ľllten F√§hren zusammen gepfercht, ertrinken sie, wenn ihr Gef√§hrt wegen der √úberlastung im rei√üenden Strom untergeht, oder werden - an ihrem Ziel angekommen - inmitten einer religi√∂s aufgeheizten Menge - zu Tode gequetscht und getrampelt, - wieder andere brechen - gezeichnet durch die Strapazen und Entbehrungen - am Ende ihrer Pilgerfahrt leblos zusammen.

Warum tun sich Gläubige so etwas an? Zum einen, weil es ihnen ihre Religion so vorschreibt, zum anderen erhoffen sich manche von so einer Pilgerreise an einen Wallfahrtsort Erlösung von Leid und Krankheit, in den allermeisten Fällen aber vergebens. Denn wenn man sich einmal all die jährlichen Abermillionen von Pilgern vor Augen hält und diese Zahl mit den (angeblichen) Heilungen vergleicht, dann stellt man leicht fest, dass die Chance auf eine Genesung noch wesentlich geringer ist, als die auf einen Lottogewinn. Außer Spesen nichts gewesen - und nach der Heimkehr ist man dann noch elender dran, als vor der Reise.

Anfang des 3. Jahrhunderts ruft Origines (185 bis 254), der bedeutenste Theologe der orientalischen Kirche, die Christen zu einem Leben in st√§ndiger Bu√üe und tr√§nenreichem Gedenken an das j√ľngste Gericht auf. Der heilige Kichenlehrer Basilius von Caesarea (330 bis 379), genannt "der Gro√üe", untersagt den Gl√§ubigen jeden Spass, sogar das Lachen. Der heilige Antonius befiehlt den M√∂nchen "sich den Tieren gleich zu halten" und im 7. Jahrhundert meint Johannes Climacus: "Der M√∂nch soll sein ein gehorsames, mit Vernunft begabtes Tier."

Immer war das christliche Ideal der Askese das genaue Gegenteil von Humanit√§t und Liebe zum Leben, sondern weltfeindlich und verachtend. Ende des 4. Jahrhunderts sollen in den √§gyptischen W√ľstengebieten etwa 24.000 Asketen gelebt haben. Sie hausten in Gr√§bern, in Tierk√§figen, in winzigen Zellen, in H√∂hlen, sogar in hohlen B√§umen oder lebten jahrelang auf kleinen Plattformen hoch oben auf S√§ulen (daher der Name S√§ulenheiliger) und zogen sich ihr k√§rgliches Essen, das ihnen von mitleidigen Seelen spendiert wurde, mit einem Seil nach oben. Und immer wird gefastet, geb√ľ√üt und gebetet, man w√§lzt sich im Schmutz, wechselt jahrelang die Kleidung nicht und gedenkt unter schmerzenden Tr√§nen der Schlechtigkeit der Welt.

Jede Freude ist verp√∂nt, alles Sch√∂ne oder Lebenswerte ist nur eine List des Teufels, nur st√§ndige Entbehrung und Askese ist gottgef√§llig. "√Ąu√üerer Schmutz ist ein Zeichen f√ľr innere Reinheit", propagiert Kirchenlehrer Hieronymus und erz√§hlt voller Freuden von M√∂nchen, die in Gruben hausen, sich ihr Lebtag lang nicht waschen, ihre Kutten tragen, bis sie ihnen vom Leib fallen, ihre Zellen mit stinkendem Unrat anh√§ufen, sich alle paar Tage mal eine Handvoll Feigen g√∂nnen oder ein paar Getreidek√∂rner aus dem Kuhmist klauben.

Heute sind die Zeiten dieser extremen Asketen l√§ngst vergangen, aber immer noch unterwerfen sich in den Kl√∂stern M√∂nche und Nonnen einer strengen Hierarchie, geben alles weltliche auf, verzichten auf alle Freuden des Lebens, manche verpflichten sich zu einem lebenslangen st√§ndigen Schweigen (au√üer es wird ihnen ausnahmsweise gestattet, zu reden). So suchen sie die N√§he zu Gott, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass sie durch ihr Verhalten, durch die st√§ndige Unzufriedenheit, durch diese ganze Askese und den Verzicht auf jegliche Freude am Leben nur dazu beitragen, geistige Nahrung, sprich negative Emotionen und Leid, f√ľr die "G√∂tter" zu produzieren, wovon sich diese Wesen dann ern√§hren.

Reptomaniac, 14.09.2008

Quellen/Info's u.a.:
Karlheinz Deschner - Das Kreuz mit der Kirche
Horst Herrmann - Sex & Folter in der Kirche
www.wikipedia.de
www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/773/101672/
u. diverse Internetseiten



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